Was haben "Preußinnen" mit der Cataplana zu tun?
Das Internet weiß (fast) alles! Die ersten Artikel, die ich im Netz finde, führen die Cataplana auf die alten marokkanischen und maurischen Kochgeräte zurück ("Tajine"), die von den Zink- und Kupferschmieden in der Algarve in höchster handwerklicher Perfektion nachempfunden und weiterentwickelt wurden. Doch aus welchem Grund ist die Cataplana erst so spät bekannt geworden? Und was hat es mit den "Preußinnen" auf sich? Vielleicht hängt es mit Portugals Teilnahme am ersten Weltkrieg zusammen: Von 1916 bis 1918 kämpften 50.000 Portugiesen mit den englischen und französischen Alliierten im Grabenkrieg gegen die Deutschen. Gedenktafeln für die gefallenen jungen Männer findet man noch in fast jeder Stadt in Portugal.

Soldat mit Helm im 1. Weltkrieg Foto: Stijn Swinnen
Kochen in Militärhelmen – Ursprung der Cataplana
In einem Artikel, der 2016 in der Zeitung Publico erschien, klärt die Journalistin Alexandra Prado Coelho das Geheimnis. Angeblich wurden bis in die frühen fünfziger Jahre in der Beira Baixa "in den abgelegten Helmen der Soldaten des Ersten Weltkriegs" zu Hause und unterwegs gekocht. Nach und nach starb diese Methode aus – auch weil es vermutlich keinen Nachschub an abgelegten Helmen mehr gab. Es gab allerdings – so steht es in dem Artikel – einen Mann, der ein Modell nach dem Muster eines solchen Soldatenhelms herstellte. Dieses nahm er mit an die Algarve, wo die alten Kesselbauer begannen, eine neue Version der Prussiana ("Preußin") herzustellen – aus Kupfer, weil dadurch ihre Hälften besser schlossen. Es sind leicht unterschiedliche Objekte mit einigen Besonderheiten. "Die Prussiana ist ein Ofen, er stand auf der Glut auf dem Boden, war mit Glut bedeckt und wurde für das langsame Niedertemperaturgaren verwendet", beschreibt Alexandra Prado Coelho. Und sie fügt hinzu: "An der Algarve wird sie zum schnellen Kochen verwendet."
Cataplanas werden heute noch in Handarbeit gefertigt

Glänzendes Schmuckstück mit Tradition Foto: Christoph Höver
In der Casa dos Caldeiros ("Haus der Kessel“), in der Altstadt von Loulé, habe ich den 71-jährigen Analide Carmo besucht. Der Handwerker stellt seit seinem elften Lebensjahr glänzende Cataplanas in Handarbeit aus Kupferblech her – Kupfer außen, eine Verzinkung innen.
