Zé do Telhado – Portugals Version des Robin Hood

Portugals Robin Hood heißt Zé do Telhado und machte als Anführer einer kriminellen Bande von sich reden. Auch heute noch verehrt man ihn als Helden. Er gilt als einer der berühmtesten Räuber der Nachkriegszeit und ist vor allem im Norden Portugals bekannt.
Geboren wurde er als José Teixeira da Silva am 22. Juni 1818 in Lugar do Telhado, einer kleinen Provinz Penafiels, einem Ort, nachdem er später auch benannt wurde und so in die Geschichte einging.
Er lebte in ärmlichen Verhältnissen und verließ seine Familie bereits als 14-jähriger, um bei seinem Onkel das Handwerks des Tierpflegers und Kastrators zu erlernen. Dort verliebte er sich in seine Cousine, doch aufgrund seiner Armut, verweigerte der Onkel dem Paar seinen Segen.

Später schloss er sich den Lanceiros de Lisboa (Lanzierer Lissabons) an und eignete sich dort fundierte militärische Erfahrungen an. Voller Überzeugung ließ er sich in die Verstrickungen des komplizierten Bürgerkrieges hineinziehen. Als eine Niederlage unausweichlich wurde, zog er sich mit seiner Truppe nach Spanien zurück und kämpfte dort an der Seite des Generals Schwalbacks.
Bei seiner Rückkehr nach Portugal waren bereits Anzeichen für die drohende Auflehnung gegen die antiklerikale Regierung von Costa Cabral spürbar.
Zé do Telhado, kehrte zu seinen Wurzeln zurück und hielt erneut um die Hand seiner Cousine Ana Lentina de Campos an. Dieses Mal willigte sein Onkel in die Hochzeit ein, die im Februar 1845 stattfand. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, die später seinen Werdegang prägen sollten.

Als am 23. März 1846 die Revolution von Maria da Fonte ausbrach, stellte er sich unter den Befehl des General Sá da Bandeira und führte einen der Trupps an. Später nimmt er den Rang des Feldwebels ein und zeichnet sich durch seine Tapferkeit aus, indem es ihm gelingt in der Schlacht von Valpaços das Leben seines Generals zu retten. Dadurch erhält er die Ritterehrung, die höchste militärische Auszeichnung Portugals – den Turm- und Schwertorden. Doch aufgrund von Verschuldungen wird er aus dem Militärdienst entlassen.

Zé do Telhado versuchte es zunächst als Ehrenmann und mit ehrlicher Arbeit an Geld für seine Familie zu kommen. Als man ihm jedoch eine Wiedereingliederung in die Armee verweigert, fing er an sich gegen die noblen Herren aufzulehnen, um seine Familie anderweitig versorgen zu können. Seine Raubzüge waren brutal und rücksichtslos, wobei er stets darauf achtete nur Herren- und Gutshäuser auszurauben, wo sich sein Raubzug auch tatsächlich auszahlen würde. Es ging ihm aber nicht darum sich zu bereichern, sondern das Überleben seiner Familie zu sichern. Ein Zehntel der Beute galt stets der armen Bevölkerung. Er kaufte für sie Nutzvieh, damit sie ihre Familie versorgen konnten.

Er war gefürchtet und terrorisierte die Region über 10 Jahre lang. Seine Bande war berüchtigt und als sie bei einem ihrer Raubzüge einen unbescholtenen Diener ermorderten, veranlasste die Polizei ihre Präsenz zu verstärken, und alles dran zu setzen ihn zu schnappen. Ihre Bemühungen sollte sich bald auszahlen. Als sich Zé do Telhado 1859 in Porto in einem Schiff versteckte, dass ihn nach Brasilien bringen sollte, erhielt die Polizei einen Tipp und nahm ihn fest.

In der Gefängniszelle lernte er den Autor Camilo Castelo Branco, der seinerseits aufgrund der Kopulation mit einer verheirateter Frau einsaß. Dem wohl bekanntesten und tragischstem Seitensprung in der Geschichte Portugals.
Laut Camilo, teilten sie sich eine Zelle, was dazu führte, dass man sich annäherte und schließlich zu Freunden wurde. In dieser Zeit vertraute Camilo seinem neuen Freund an, dass er befürchte, dass der gehörnte Ehemann, sich an ihm Rächen könnte indem er ihn umbringen lassen würde. Daraufhin gab ihm Zé do Telhado sein Wort, dass falls jemand Hand an ihn anlegen würde, man es bitter bereuen würde.

Um sich die Zeit zu vertreiben schreibt Camilo während seiner Haftzeit nicht nur das Buch „Amor de Perdição“, sondern er nutzte die Gelegenheit, um die abenteuerlichen Geschichten seines Freundes in seinem Buch „Memórias do Cárcere“, zu verewigen und seinen Freund zu mystifizieren und aus ihm den portugiesischen Robin Hood zu erschaffen.

Als Dank, für seinen Schutz, veranlasst Camilo, dass sein eigener Anwalt, Dr. Marcelino Matos, seinen Freund vor Gericht vertreten sollte. Was dieser auch tat. Er überzeugte das Gericht davon, dass Zé do Telhado, dem 11 Raubüberfälle nachgewiesen werden konnten, sowie einen Mord, dies alles nur deswegen tat, weil man ihm keine andere Wahl ließ. So schaffte er es, dass am 25. April 1859 José do Telhado statt zum Tode, zu lebenslangem Exil nach Angola verurteilt wurde, wohin er 1860 auch verschifft wurde. Drei Jahre später wurde die lebenslange Strafe in eine 15jährige Verbannung umgewandelt, doch Zé do Telhado betrat nie wieder portugiesischen Boden.

Durch den Handel und seine Gutmütigkeit gegenüber den Einheimischen baute er sich in Angola eine neue Heimat auf. Er heiratete erneut und bekam drei weitere Kinder.
1875 verstarb Zé da Telha. Er ist in einem kleinen Mausoleum im Dorf Xissa aufgebahrt, hundert Kilometer von Malanje entfernt, wo er auch heute noch als Held verehrt wird.

 

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