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Judentum in Portugal

Historisch belegt sind die ersten jüdischen Viertel in portugiesischen Städten (Judiarias) seit dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Im Mittelalter standen die Juden unter dem Schutz der portugiesischen Könige. Das durch Handel und Verwaltungsposten in Staat und Kirche angehäufte Vermögen diente als Grundlage für den Aufbau der portugiesischen Flotte. 


Hinweistafel am ehemaligen Judenviertel
in Guarda (o)

Jüdische und maurische Siedlungen in Portugal im
14. und 15. Jahrhundert (rechts).
Juden lebten in eigenen Vierteln, den sogenannten
Judiarias, abgeschlossen von der christlichen
Bevölkerung.
Während unter der maurischen Herrschaft (bis 1250) das Zusammenleben ohne größere Probleme vonstatten ging, kam es nach 1492 zu den ersten Zwangstaufen und Anfang des 16. Jh, zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung.

Zur Geschichte des  Judentums in Portugal ist wichtig zu wissen, dass unter der maurischen Herrschaft ein friedliches Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen Usus war. Die ersten Verfolgungen der Sephardim - so der Bezeichnung der iberischen Juden - begannen im Jahr 1391. Bereits zu dieer Zeit flüchteten viele aus Spanien ins Nachbarland, und nach der Einführung der Inquisition 1478 gingen zahlreiche Juden nach Portugal ins Exil. 1488 wurde die Einwanderung weiterer Juden unterbunden, man forderte die bereits in portugiesischen Städten lebenden Juden auf, weiterzureisen - selbst wenn sie zum Christentum konvertiert waren. Die als conversos bezeichneten getauften Juden unterlagen außerdem besonderen Steuern und Abgaben.
Als das spanische Königshaus 1492 alle Juden aus dem Land vertrieb, gewährte der portugiesische König João II. (1455-1495) ihnen zunächst Asyl, allerdings nur für ein knappes Jahr. In dieser Zeit kamen zwischen 50.000 und 100.000 spanische Juden ins Land, wurden jedoch kurze Zeit später gezwungen, sich entweder taufen zu lassen oder ins Exil zu gehen. Von den Neuchristen (cristiãos-novos) wurde nur 600 reichen Familien gegen Zahlung hoher Beträge gestattet, dauerhaft in Portugal zu bleiben. Es gab erhebliche Zwangsmaßnahmen von Seiten des Königs: So befahl Dom João II. beispielsweise 1493 die Entführung und Zwangstaufe von 2000 jüdischen Kindern und Jugendlichen und ließ sie danach nach São Tomé deportieren.

Amnestie und "Kryptojuden"

1496 erließ sein Nachfolger, König Manuel I. (1469-1521) nach der Heirat mit Isabella, der Tochter des spanischen Königs, zwar einen Erlass, nach dem alle Juden das Land verlassen müssten. Allerdings wurde dies nicht durchgesetzt, sondern bereits 1497 eine Zwangstaufe aller Juden in Portugal erzwungen. Als "Gegenleistung" gewährte der König allen Neuchristen Amnestie und in einem Edikt für 20 Jahre die Zusage, dass sie nicht wegen abweichender religiöser Bräuche angeklagt werden sollten.
Im Edikt enthalten war außerdem ein Verbot, für die Marranen (marranos - deutsch: Schweine), wie man die zwangsgetauften Konvertiten verächtlich nannte, jemals eine eigene Gesetzgebung einzuführen. Die Folgen waren durchaus positiv: Die Neuchristen hielten (allerdings meist heimlich) an alten jüdischen Bräuchen fest. Diese so genannten Kryptojuden wurden zu einer einflussreichen gesellschaftlichen Gruppe, die immerhin bis 1536 die Einführung der Inquisistion in Portugal verhindern konnte.

Pogrome und die Inquisition

Judenverfolgungen gab es jedoch immer wieder - zu den schlimmsten kam es zu Ostern 1506. Bei den "Massakern von Lissabon" sind etwa 2000 Menschen ermordet worden. Der portugiesische König war außer Landes und den königlichen Truppen gelang es erst nach drei Tagen, die furchtbaren Ausschreitungen zu beenden. Die Anführer wurden bestraft, die Neuchristen erhielten unter anderem das Zugeständnis, in andere christliche Länder umzusiedeln.
Dennoch gab es bereits 1515 Bestrebungen, auch in Portugal die Inquistion einzuführen. Unter König João III. (1502-1557) wurde dies dann 1536 umgesetzt, vier Jahre später kam es zum ersten Autodafé in Lissabon. Die cristiãos-novos richteten heftige Proteste an den Papst in Rom, danach wurde die Inquisition ein Zeitlang ausgesetzt. Umso heftiger allerdings und teilweise schlimmer als in Spanien setzte sie 1547 wieder ein. Erst mit dem Zusammenschluss Portugals und Spaniens (1580-1640) kam es zu einer entspannteren Lage.

Nach der Restauration 1640

Nach 1640 und damit der Unabhängigkeit Portugals von Spanien waren jüdische Finanzgeber für den portugiesischen König von höchster Wichtigkeit. Besitz und Vermögen selbst von der Inquisition verurteilter Neuchristen blieben zwischen 1649 bis 1659 unangetastet, das Königshaus setzte sich außerdem für Investitionen ausgewanderter Juden ein. Dennoch blieb die Zahl jüdischer Bürger in Portugal bis etwa 1800 eher gering.

Vom II. Weltkrieg bis heute

Während des Zweiten Weltkriegs galt Portugal als neutraler Staat. Viele Juden suchten Zuflucht im Land und nutzten vor allem Lissabon als Hafen für die Auswanderung ins Exil.
Der portugiesische Generalkonsul von Bordeaux, Aristide de Sousa Mendes, gilt als "Schindler Portugals". Er rettete - entgegen Anweisungen aus Lissabon - in den Jahren 1939/40 mehr als 30.000 Menschen, darunter 10.000 Juden, das Leben, indem er Visa für die Durchreise durch Spanien nach Lissabon ausstellte.


Der Generalkonsul von Bordeaux, Aristides de Sousa Mendes, wird
in Israel als einer der "Gerechten unter den Völkern" geeehrt.

Sousa Mendes wurde von Salazar seines Amtes unehrenhaft enthoben und starb 1954 völlig verarmt und ohne Anerkennung seiner Verdienste innerhalb Portugals. Seine Nachkommen sorgten für seine Rehabilitierung, die erst 1988 vom portugiesischen Parlament bestätigt wurde. 


Die Fundação Aristides de Sousa Mendes widmet sich seinem Leben und seinen Verdiensten.

Fundação Aristides de Sousa Mendes

Modernes Judentum in Portugal

Als Wiedergutmachung für die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung vor 500 Jahren hat das portugiesische Parlament im Jahr 2013 ein Gesetz verabschiedet, das den Nachkommen vertriebener oder geflüchteter Sepharden einen erleichterten ZUgang zur portugiesischen Staatsangehörigkeit bietet.

deutschsprachige Infos zur Einbürgerung von sephardischen Nachkommen

Heute leben etwa (Zensus 2011) 3000 Juden in Portugal; Zentren jüdischen Lebens sind vor allem Lissabon, Porto und Belmonte. Auch an der Algarve, in Albufeira, gibt es für die dort ansässige jüdische Gemeinde wieder einen Rabbiner.

Synagoge und Gemeinde in Porto


Die Sinagoga Mekor Haim Kadoori ist Sitz der jüdischen Gemeinde in Porto.
Sie ist die größte auf der iberischen Halbinsel und wurde in den 1930er Jahren erbaut.

Jüdische Gemeinde in Porto (offizielle Website in Portugiesisch, Englisch und Hebräisch)

Jüdisches Leben in Porto (Blog engl.)

Die Synagoge und jüdische Gemeinde in Lissabon


Die Sinagoga Shaaré Tikvah in Lissabon wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut.

Jüdische Gemeinde Lissabon

Artikel zur jüdischen Gemeinde in Lissabon

Museum des Jüdischen Lebens in Portugal

Jüdisches Leben an der Algarve

Die jüdische Gemeinde an der Algarve besteht wieder seit 1991, feiert also in diesem Jahr 25. Jubiläum. Sieben Jahre später gab es die erste Bar Mitzwa - nach 75 Jahren, dazu wurde die Torarolle der Gemeinde in Lissabon an die Algarve gebracht. Seit 2012 gibt es wieder einen Rabbiner in Albufeira, Rabbi Zev Schwarcz, der mit seiner Familie aus Chicago nach Portugal stammt.

Friedhof in Faro

Historische Judenviertel

Die historischen Judenviertel sind in einem Netz zusammengeschlossen: Rede de Judarias de Portugal

Infos zum Judentum in Portugal und seiner Geschichte finden Sie auch auf den Seiten

Jewish Virtual Library -Portugal

Jüdisches Erbe in Portugal

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