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"Guter" und "böser" Fado - und seine Königin

Nach der  Nelkenrevolution 1974 galt Fado zunächst als Symbol des „düsteren“ Portugals, und er war unter Salazar nicht unbedingt gerne gesehen. Es heißt, dass der Diktator befürchtete, der melancholische Gesang würde die Portugiesen zu einem Volk von Pessimisten machen. Doch das war nicht der einzige Grund für die zwiespältige Haltung. Als viel gefährlicher empfand es Salazar, dass Fado dem Ursprung nach proletarischer Herkunft ist: auf dem Land gesungen von fahrenden Sängern, die oft blinde Bettler waren; in der Stadt dagegen waren es Lieder aus dem Dirnen- und Gaunermilieu des Lissaboner Hafens und der umgebenden Viertel, in denen sich die Arbeiter in gewerkschaftlichen und Freizeitclubs zusammenfanden.

In diesen sociedades recreativas wurde nicht nur diskutiert, gegessen und getrunken, sondern auch gesungen. Und zwar ein Fado, der in seinen Texten die sozialen Themen der Zeit aufgriff und kritisierte. Dieser fado operário – „Arbeiterfado“ – sollte sogar, so wurde etwa in einem Flugblatt bereits 1912 gefordert, als „Mittel des Klassenkampfes“ verwendet werden. Einleuchtend, dass einem Diktator das nicht unbedingt in den Kram passte.

Der Propagandatrick, den Salazar anwandte, war perfide:
Fado als Ausdruck einer Stimmung, die vom Schicksal geschlagen bedeutete (fado sentido), war verpönt und wurde systematisch diffamiert, beispielsweise im Staatsrundfunk, als canções dos vencidos, als „Lieder der Besiegten“.
Fado als sehnsüchtiges oder munteres Lied dagegen war erwünscht: Die Texte wurden politisch bereinigt und bestimmte konservative und nationalistische Elemente besonders herausgestellt.

Eines der besten Beispiele dafür, so schreibt Peter Koj von der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft, ist das berühmte Lied Uma casa portuguesa: Heute singt man es wieder, ohne sich der darin damals enthaltenen Propagandabotschaft Salazars bewusst zu sein. Im Refrain heißt es unter anderem:

A alegria da pobreza
está nesta grande riqueza
de dar, e ficar contente.

Sinngemäß bedeutet das:

„Die Freude der Armut
ist der Reichtum zu geben
und zufrieden zu bleiben.“

Also ja nichts ändern an den Verhältnissen, nicht aufbegehren, das Volk unten halten. Genau solche Lieder benutzte Salazar, um den Fado zu den drei staatstragenden Säulen zu machen: fado, futebol e Fátima galten als unverzichtbare Elemente Portugals.

fadista wurde zu Salazars Zeit allerdings ein ernstzunehmender Beruf, und der Diktator nutzte die Popularität der bekanntesten und beliebtesten Sängerin zur eigenen Imagepflege aus: Amália trug den Fado hinaus in die Welt, sie feierte Triumphe mit der Musik Portugals – und das weit über den Tag der Revolution hinaus. 


Amália - die Königin des Fado

(Dieser Text stammt - mit freundlicher Genehmigung der Autorin - aus dem Buch "Korkesel & Sardinenblüte. Handbuch für den Urlaub in Portugal", ISBN: 978-3-946223-02-3 Printausgabe € 12,-- /eBook € 5,99)

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Kann denn Fado fade sein

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