Leben in Portugal

Infos und Tipps zu Urlaub, Auswandern und Alltag in Portugal von Nord bis Süd

Portugal wird gegründet

Die Geschichte Portugals beginnt im Jahr 1095: Die Grafschaft Portucalia, zwischen den Flüssen Douro und Mondego gelegen, wurde von König Alfonso VI. von Leon und Kastilien gegründet. Er gab sie als Lehen an seinen Schwiegersohn Heinrich von Burgund weiter – als Lohn für dessen Dienste während der Reconquista. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1109 ließ sich Heinrich in Guimarães nieder, und ließ sich in seiner neuen Residenzstadt, die man also durchaus als „erste Hauptstadt Portugals“ bezeichnen kann, „von Gottes Gnaden Graf und Herr von ganz Portugal“ nennen.

Doch erst sein Sohn, Don Afonso Henriques (der spätere König Afonso I.) brach endgültig mit dem Herrscherhaus in Kastilien: 1139 besiegte er die Mauren in der Schlacht bei Ourique, in der Nähe der Stadt Beja im Alentejo, und nahm offiziell den Königstitel an. Kastilien anerkannte das Königreich Portugal aber erst 1143 nach etlichen kriegerischen Auseinandersetzungen. Obwohl Don Afonso Henriques sich sofort zum Vasallen des Papstes machte und Tribut an die Kirche zahlte, gestand Papst Alexander III. die Königswürde Afonso I. erst 36 Jahre später, 1179 in der Bulle „Manifestis Probatum“ zu und erkannte damit die Unabhängigkeit des Landes an.

Lissabon wurde unter der Führung Afonsos I. im zweiten Kreuzzug 1147 unter der Mithilfe von deutschen, flandrischen und englischen Rittern zurückerobert, die Algarve etwa 100 Jahre später unter Afonso III. endgültig von den Mauren befreit. Das damals eroberte Territorium auf dem europäischen Kontinent ist – beinahe unverändert – bis heute dasselbe geblieben.

Im Jahr 1256 machte Dom Afonso III. Lissabon anstelle Coimbras zur Hauptstadt seines Königreichs.

Bis 1383 stammten die portugiesischen Könige aus dem Hause Burgund („Borgonha“). Für den großen Aufstieg Portugals war Dom Dinis I. (1279-1325) entscheidend: Er trug den Beinamen „Landwirt“ (portugiesisch: „O Lavrador“ oder „O Rei-Agricultor“), weil er vor allem die Landwirtschaft, aber auch Handel und Bergbau, Aufforstung und Seefahrt förderte. Ihm ist zu verdanken, dass Portugiesisch Landessprache wurde, und er gründete 1290 die erste Universität des Landes – zunächst in Lissabon. 1307 wurde sie nach Coimbra verlegt; sie zählt zu den ältesten Universitäten in Europa.
Dinis I. erreichte außerdem, dass das Vermögen des Templerordens, der 1312 vom Papst aufgelöst wurde, nicht zurück an die Kirche fiel, sondern für die Gründung des neuen Christusritterordens verwendet wurde: Dieser Orden unterstand direkt der portugiesischen Krone – und finanzierte einige Jahrzehnte später unter anderem die Entdeckungsreisen der portugiesischen Seefahrer.

Nach dem Tod von König Dinis ging die Entwicklung zunächst nicht mehr so fortschrittlich weiter:
König Afonso IV. (1325-1357) führte mehrere erfolglose Kriege gegen Kastilien. Und er ist verantwortlich für eine tragische Liebesgeschichte: Pedro und Inês, das berühmteste Liebespaar Portugals.

 

Der Mord in der „Quinta das Lágrimas“ – dem „Landhaus der Tränen“

Der Sohn des Königs Afonso war eine (bereits zweite) Ehe mit Constança Manuel, einer kastilischen Prinzessin, eingegangen. Doch Dom Pedro verliebte sich unsterblich in eine Hofdame aus dem Gefolge seiner Gemahlin. Zwar musste er die geheime Liaison zu Inês de Castro zunächst beenden und das Edelfräulein wurde gezwungen das Land zu verlassen. Als Constança aber im Kindbett starb, ließ Dom Pedro seine Liebste wieder zurück nach Portugal holen – gegen den ausdrücklichen Wunsch seines königliche Vaters. In Coimbra verbrachte das Paar vier Jahre voller Glück, Inês de Castro bekam vier Kinder.
Mehr und mehr fürchtete Afonso jedoch, dass der Thronfolger unter kastilischen Einfluss geraten und die Unabhängigkeit Portugals verspielen würde. Infant Dom Pedro verhielt sich durchaus so, dass diese Ängste berechtigt schienen: Er zeigte sich öffentlich mit seiner Liebsten, kümmerte sich kaum um seinen legitimen Sohn aus der Ehe mit Constança und umgab sich mehr und mehr mit kastilischen Adligen.

In den ersten Tages des Jahres 1355 schritt der König ein: Nach Beschluss des von ihm einberufenen Kronrats wurde Inês zum Tode verurteilt – und schon am 7. Januar im Landhaus, das später den Namen „Quinta das Lágrimas“ („Landhaus der Tränen“) erhielt, meuchlings von drei Männern ermordet. Pedro war auf der Jagd und machte nach seiner Rückkehr einen grausigen Fund: Man hatte seine Liebste nicht nur heimtückisch ermordet, sondern auch enthauptet. Blind vor Trauer und rasend vor Zorn begann er einen Rachefeldzug gegen König Afonso, konnte ihn mit seinen Truppen aber nicht besiegen. Die Mutter vermittelte zwischen Vater und Sohn. Pedro schwor zwar, an den Mördern und allen an der furchtbaren Tat Beteiligten keine Vergeltung zu üben, doch die drei Mörder trauten dem Frieden nicht und flohen nach Kastilien.
Pedro war Mitregent Afonsos bis zu dessen Tod 1357. Als er dann selbst König wurde, nahm er Beziehungen zu Kastilien auf – mit nur einem Gedanken: dem an Rache. Zwei der drei Meuchelmörder wurden nach Portugal ausgeliefert, der dritte konnte nach England entkommen.

Die Legende berichtet Schauerliches: Die beiden Mörder wurden grausamst gefoltert – kein Wunder, dass Pedro I. den Beinamen „der Grausame“ oder „der Gerechte“ („O Cruel“ bzw. „O Justiciero“) trägt. Nach der Hinrichtung ließ er die Leiche seiner Liebsten exhumieren und aus der Grabstätte im Kloster Santa Clara nach Coimbra überführen. Dort wurde der skelettierte Körper feierlich gekrönt – und der gesamte Hof musste an der auf einem Thron an der Seite Pedros sitzenden, toten Inês vorbeiziehen, ihr die Ehre erweisen und ihre verweste Hand küssen. Der Bischof von Braga erklärte – um die diese posthume Krönung zu rechtfertigen –, er habe das Liebespaar einst vermählt, sie sei also die rechtmäßige Königin Portugals.
Nach der gespenstischen Zeremonie wurde Inês‘ Skelett in einer langen Prozession nach Alcobaça in die Klosterkirche gebracht und dort beigesetzt. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Zum Zeichen seiner unsterblichen Liebe ließ Pedro I. zwei Prunksärge in der Kirche aufstellen, jeder verziert mit einer liegenden Skulptur, die Pedro und Inês darstellen. Die Särge stehen nicht Seite an Seite, sondern auf ausdrücklichen Wunsch des Königs mit dem Fußteil gegeneinander: „auf dass am Tage des Jüngsten Gerichts der beiden Blicke … auf ihr Liebstes fallen.“

Viel später hatte Pedro I. mit einer weiteren Geliebten einen illegitimen Sohn – João, der später Großmeister des Avis-Ordens wurde und die zweite Königsdynastie Portugals begründete. Zunächst jedoch bestieg – nach dem Tode Pedros – sein ehelicher Sohn Fernando I. den Thron, als neunter König Portugals – und letzter aus dem Hause Burgund.

Fernando starb 1383. Seine Witwe Leonore versuchte zusammen mit ihrem Liebhaber, dem galizischen Grafen von Ourém, die Macht an sich zu reißen. Doch vergebens: Die Handwerkszünfte in Lissabon revoltierten und nach etwa sechs Wochen wurde Leonore verjagt. Nach dieser „Revolution von 1383“ wählte der „Cortes“, die Ständevertretung, den illegitimen Sohn Pedros I. zum König, aus dessen Beziehung mit Teresa Lourenço. So verhinderte man erfolgreich, dass Portugal an Kastilien fiel. Eine sechsmonatige Belagerung durch kastilische Truppen überstand João I. (1383/13855-1433) mit Hilfe Englands – und durch den Ausbruch der Pest. Der Sieg in der entscheidenden Schlacht von Aljubarrota 1385 sicherte ihm endgültig die Macht – und Portugal die Unabhängigkeit. Als Dank für diesen Sieg wurde das Kloster Batalha (portugiesisch für „Schlacht“), eigentlich Mosteiro de Santa Maria da Vitória, gegründet.

Auf einen Blick

  • Beginn der Geschichte Portugals 1095
  • Dom Afonso Henriques ernennt sich zum König 1139
  • Anerkennung durch Kastilien 1143
  • Anerkennung durch Papst Alexander III. 1179
  • Lissabon wird Hauptstadt 1256
  • Gründung der ersten Universität 1290
  • Blütezeit unter König Dinis I. bis 1325
  • Ende des Hauses Burgund 1383

Kann denn Fado fade sein

Das "Portugalbuch", das lange vergriffen war, ist nun wieder neu aufgelegt: erweitert, ergänzt. aktualisiert. 

Kalender

Letzten Monat April 2019 Nächsten Monat
M D M D F S S
week 14 1 2 3 4 5 6 7
week 15 8 9 10 11 12 13 14
week 16 15 16 17 18 19 20 21
week 17 22 23 24 25 26 27 28
week 18 29 30

Aktuell sind 708 Gäste und keine Mitglieder online

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen